In meiner langjährigen Arbeit mit hochbegabten Erwachsenen hat sich mein fachlicher Blick zunehmend auf eine Gruppe gerichtet, über die bislang vergleichsweise wenig bekannt ist: höchstbegabte Erwachsene. Während Hochbegabung meist ab einem IQ von 130 beschrieben wird, wird Höchstbegabung häufig im Bereich eines IQ von 145 und darüber verortet. Entscheidend ist jedoch nicht allein die psychometrische Einordnung, sondern die Frage, wie sich außergewöhnlich hohe intellektuelle Fähigkeiten im Selbst- und Weltverhältnis eines Menschen ausdrücken: im Denken, Wahrnehmen und Fühlen, in der beruflichen Entwicklung, in Beziehungen, in Fragen der Zugehörigkeit und in der Suche nach einer stimmigen Selbstverortung.
Ob und in welcher Weise sich Hoch- und Höchstbegabung unterscheiden, ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend erforscht. Meine Arbeit richtet sich deshalb auf Dimensionen, in denen Höchstbegabung als identitätsrelevantes Phänomen sichtbar werden kann: auf Selbstbild und Selbstverständnis, Passung und Nicht-Passung, Anerkennung, soziale Lesbarkeit, Geschlecht sowie die besonderen Erfahrungen höchstbegabter Frauen. Dabei verbinde ich meine Erfahrung als Coach mit meiner publizistischen und forschenden Arbeit.
Aus diesem Forschungsinteresse heraus habe ich gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen die High Giftedness Expertise Group mitbegründet, ein interdisziplinäres Netzwerk zur Erforschung von Höchstbegabung bei Erwachsenen. Erste qualitative Fokusgruppeninterviews mit höchstbegabten Erwachsenen wurden bereits durchgeführt; die Ergebnisse werden in laufende Publikationen einfließen.
Meine Beratung richtet sich an Menschen, die ihre Höchstbegabung nicht nur als Leistungsmerkmal verstehen möchten, sondern als Teil ihrer Persönlichkeit, ihres Selbstverhältnisses und ihrer beruflichen Entwicklung.
Mögliche Themen im Coaching
Höchstbegabung berührt für mich nicht nur Fragen der Leistungsfähigkeit. Sie verweist auf eine besondere Form intellektueller Intensität, auf ein spezifisches Verhältnis zu Komplexität, Sinn, Anerkennung und Welt und damit auf ein Feld, das im Coaching wie in der Forschung eine präzise und differenzierte Sprache braucht.
Neues Museum, Nürnberg
