Hochbegabung, Hochsensibilität, Hochsensitivität

 

 

Hochbegabung, Hochsensibilität, Hochsensitivität - alles nur Modethemen? In den letzten Jahren wurde das Augenmerk in der Öffentlichkeit zunehmend auf den Themenkomplex Hochbegabung, Hochsensibilität und Hochsensitivität gelenkt. Was bedeuten diese Phänomene? Inwiefern unterscheiden sie sich voneinander? Was ist das Besondere an ihnen? Und wie können Betroffene in ihrer Besonderheit optimal unterstützt werden?

Hochbegabung (bei Erwachsenen)

 

Hochbegabung meint, laut wissenschaftlicher Definition, die intellektuelle Leistungsfähigkeit eines Menschen. Als hochbegabt gelten Menschen mit einem IQ von mehr als 130, was 2% einer Gesellschaft ausmacht. Ein klassischer IQ-Test bildet jedoch nur einen Teil des Phänomens Hochbegabung ab. Künstlerische, soziale und emotionale Fähigkeiten können IQ-Tests nicht erfassen. Um es mit Andrea Brackmann auszudrücken: Hochbegabung ist ein Mehr von allem - Denken, Wahrnehmen, Fühlen.

 

Abhängig von der Förderung, die Hochbegabte in ihrem Umfeld erhalten (haben), kann das Selbstbild dementsprechend variieren. Manche Hochbegabte erfahren später - meist durch psychosomatische Auffälligkeiten oder mit der Hochbegabung der eigenen Kinder - von ihrer Besonderheit. Mein Fokus liegt genau hier: bei den 'spät' erkannten hochbegabten Erwachsenen. Nicht erkannte oder spät erkannte Begabungen können zu Selbstzweifeln und Versagensängsten führen. Wird das Energiepotenzial nicht genutzt, entstehen in der Regel psychosomatische Erkrankungen wie Suchtverhalten, Burnout und Depression. Auch bei sog. Underachievern, Menschen, die in ihrer Hochbegabung weit unter ihren Möglichkeiten liegen, kann sich die Unwissenheit ob der eigenen Hochbegabung gesundheitlich und persönlich sehr zum Nachteil auswirken.

 

Es gibt viele Mythen über Hochbegabte: Sie seien Überflieger, Genies, Alleswisser. Hochbegabung wird oftmals mit Hochleistung verwechselt. Hier seien nur einige Merkmale der Hochbegabung genannt:     

  • hohe Auffassungsgabe
  • sehr gute Gedächtnisleistung
  • überdurchschnittlich hohe kognitive Leistungen
  • hohe emotionale Wahrnehmung
  • komplexes und vernetztes Denken
  • reiches Innenleben
  • Interesse an tiefgreifenden philosophischen und psychologischen Fragen
  • starke Selbstzweifel und Selbstkritik
  • hohes Detailwissen in Einzelbereichen
  • hohes Wertebewusstsein    

 

Bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Hochbegabung entstehen Zweifel, Unsicherheiten, auch Traurigkeit über die späte Erkenntnis. Für ein gesundes und zufriedenes Leben sind Akzeptanz und Integration der Identität als Hochbegabte/r wesentlich. Hier kann professionelle Hilfe wirken. 

 

Welche Anlässe gibt es für ein Coaching für Hochbegabte?  

  • Akzeptanz der eigenen Hochbegabung
  • Umgang mit der neuen Erkenntnis (für sich selbst und das Umfeld)
  • Umgang mit Traurigkeit über verpasste Chancen
  • Bedeutung der Identität als Hochbegabte/r
  • Entdeckung und Förderung der Potentiale
  • Entwicklung der Selbstwirksamkeit
  • mehr Selbstwert  

 

Literaturempfehlung:

Brackmann, Andrea: "Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?", Klett-Cotta, 2007 

Gardner, Howard: "Abschied vom IQ. Die Rahmen-Theorie der vielfachen Intelligenzen", Klett-Cotta, 1991

Jacobsen, Mary-Elaine: "The gifted adult: A revolutionary guide for liberating everyday genius" , Ballantine Books, 2000

de Kermadec, Monique: "L'adulte surdoué à la conquête du bonheur - rompre avec la souffrance", Albin Michel, 2015

Lackner, Maximilian: "Talent-Management spezial - Hochbegabte, Forscher und Künstler erfolgreich führen", Springer Gabler, 2014

Schmidbauer, Wolfgang: "Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau", Orell Füssli, 2013 

Schwiebert, Andrea: "Kluge Köpfe, krumme Wege. Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden", Junfermann, 2015

Siaud-Facchin, Jeanne: "Zu intelligent, um glücklich zu sein?: Was es heißt, hochbegabt zu sein", Goldmann, 2017